Gründung einer UG (haftungsbeschränkt)

Die rechtlichen Grundlagen zur GmbH sind im GmbH-Gesetz (GmbHG) geregelt, das mit dem Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) 2008 zum letzten Mal umfassend reformiert und erneuert wurde. Eine der wesentlichen Neuerungen mit Wirkung ab 01.11.2008 war die Einführung der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) als Rechtsformalternative zur GmbH, die insbesondere in Wettbewerb zur Rechtsform der Limited treten sollte. Mit der o.g. GmbH-Reform 2008 ist die neue Rechtsformvariante zur GmbH namens Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) in Kraft getreten, auch bekannt als Mini-GmbH. Der Gesetzgeber wollte mittels dieser Rechtsformvariante gezielt den Kampf gegen die Limited aufnehmen, die in den Jahren zuvor für viele Existenzgründer als bessere bzw. günstigere Alternative zur GmbH erschien. Existenzgründer mit wenig Kapitalbedarf zu Beginn des Startups erhalten bei einer UG haftungsbeschränkt nunmehr eine Vorstufe zur GmbH, die mit wenig Startkapital und geringem Kostenaufwand gegründet werden kann, ohne auf die Haftungsbeschränkung verzichten zu müssen. Die Gründung der Mini-GmbH ist möglich im vereinfachten Verfahrenmittels Musterprotokoll gem. § 2 Abs. 1a GmbHG oder im Wege der üblichen notariellen Beurkundung einer individuellen Satzung, die nachfolgend in den einzelnen Schritten erläutert wird. Auch der Einsatz als Komplementär-Gesellschaft innerhalb einer UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG ist denkbar.

Neben der Haftungsbeschränkung besitzt die UG (haftungsbeschränkt) einige weitere Vorteile gegenüber anderen Rechtsformen, die jeder Existenzgründer bei der Wahl der richtigen Rechtsform immer im Auge haben sollte.

Daher gehe ich an dieser Stelle der Frage nach, in welchen Fällen die UG (haftungsbeschränkt) die richtige und empfehlenswerte Rechtsform für ein Start-Up ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: Angesichts der zahlreichen Vorteile der UG (haftungsbeschränkt) gegenüber der Limited bzw. der GmbH und anderen Rechtsformen ist man sogar geneigt, die Frage wie folgt zu formulieren: In welchen Fällen erscheint die UG (haftungsbeschränkt) weniger geeignet und empfehlenswert für ein Unternehmen?

Jede unternehmerische Tätigkeit birgt ihre eigenen Risiken für den Inhaber bzw. Gesellschafter mit sich. Bei Personengesellschaften ohne Haftungsbeschränkung wie das Einzelunternehmen, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder die OHG haften die Inhaber bzw. die Gesellschafter im Falle einer vertraglichen oder gesetzlichen Haftung des Unternehmens auch mit ihrem Privatvermögen, wenn die vom Einzelunternehmen oder der Gesellschaft geschuldeten Leistungen

  • nicht rechtzeitig,
  • nicht ordentlich oder
  • gar nicht

erbracht werden. Das gleiche gilt, wenn im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit

  • durch Pflichtverletzung oder
  • durch deliktische Handlungen

Schäden am Eigentum Dritter bzw. deren Gesundheit verursacht werden. Gesellschafter dieser Personengesellschaften sind daher von Beginn an mit dem gesamten System des Haftungsrechts konfrontiert.

Anders ist dies bei Kapitalgesellschaften, zu denen neben der GmbH und der Aktiengesellschaft auch die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) gehört. Bei Kapitalgesellschaften gehört es zum Wesen dieser Rechtsformen, dass das Haftungsrisiko auf das in in der Gesellschaft gebundene Vermögen beschränkt ist. Im Haftungsfall bleibt das Privatvermögen der Gesellschafter von Forderungen Dritter grundsätzlich unberührt. Im schlimmsten Fall muss für die Gesellschaft ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden, ggf. auch mit der Konsequenz, dass das eingebrachte Grund- oder Stammkapital der Gesellschafter verloren ist. Der Schaden der Gesellschafter beschränkt sich dann im Falle der GmbH oder der UG (haftungsbeschränkt) auf das eingezahlte Stammkapital. Die Höhe des Stammkapitals ist ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl unter den verschiedenen Alternativen der Kapitalgesellschaften, insbesondere zwischen der Aktiengesellschaft, GmbH oder UG (haftungsbeschränkt). Für einen Existenzgründer stellt sich zu Recht die Frage, warum er seiner Gesellschaft mehr Kapital als erforderlich zur Verfügung stellen sollte. Genau auf dieser Basis ist der Erfolg der Limited in den vergangenen Jahren zu erklären. Auf der anderen Seite besteht in Deutschland ein gewisses Akzeptanzproblem gegenüber Gesellschaften, die eine Tendenz zur minimalen Kapitalausstattung erkennen lassen. Hierzu gehört auch die UG (haftungsbeschränkt), die theoretisch bereits mit 1 Euro gegründet werden könnte. Extrem unterkapitalisierte Kapitalgesellschaften werden daher mit der Sorge bzw. Vorsicht vorleistungspflichtiger Geschäftspartner leben müssen. Im Zweifel müssen diese Gesellschaften Vorauszahlungen leisten müssen. Aus diesem Grund ist jedem Gründer einer Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) zu empfehlen, das Stammkapital zumindest in Abhängigkeit des Investitionsbedarfs festzusetzen. In jedem Fall sollte das Stammkapital zumindest die Gründungskosten der Gesellschaft decken.